Was ist Spagyrik?
Spagyrik ist ein traditionelles alchemistisches Naturheilverfahren, das auf den Arzt Paracelsus zurückgeht. Bei der Herstellung werden pflanzliche oder mineralische Ausgangsstoffe durch Gärung, Destillation und Veraschung getrennt, gereinigt und wieder zusammengeführt. Ziel ist es, die verborgenen Heilkräfte der Substanzen zu potenzieren und Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Die Essenzen werden häufig als individuell zusammengestelltes Medikament eingenommen und ergänzen oft andere naturheilkundliche Therapien.
Die Herstellung spagyrischer Essenzen basiert auf den Prinzipien des Paracelsus und trennt Wirkstoffe, um sie gereinigt neu zu vereinen. Das Wort leitet sich aus dem Griechischen von spao (trennen) und ageiro (binden) ab. Moderne Hersteller (wie z.B. Phylak Sachsen) nutzen meist vier Hauptschritte. Der Herstellungsprozess [Frische Pflanze] ➔ 1. Gärung ➔ 2. Destillation ➔ 3. Veraschung ➔ 4. Zusammenfügung (Chymische Hochzeit)
Die Gärung (Fermentation): Zerkleinerte Heilpflanzen werden mit Wasser und Hefe angesetzt. Der pflanzeneigene Zucker vergärt zu Alkohol. Dieser Prozess setzt ätherische Öle und tiefere Pflanzenstoffe frei.2. Die Destillation: Die vergorene Masse wird erhitzt. Der Alkohol und die flüchtigen Aromastoffe verdampfen und kondensieren. Das Destillat enthält die "Seele" (Energie) und den "Geist" (Alkohol) der Pflanze.3. Die Veraschung (Kalzination): Der verbleibende Pflanzensud (Rückstand) wird getrocknet und bei über 400 °C verascht. Übrig bleibt eine rein weiße Asche. Sie enthält alle löslichen Mineralsalze und Spurenelemente ("Körper" der Pflanze).4. Die Zusammenfügung (Chymische Hochzeit): Das flüssige Destillat und die gereinigten Mineralsalze der Asche werden wieder vereinigt. Die Salze lösen sich im Destillat auf. Die Essenz ist nun spagyrisch komplett.
Die drei philosophischen Prinzipien
Die Alchemie ordnet die Schritte drei Grundprinzipien zu, die im Endprodukt harmonisch wirken sollen: Merkur (Geist): Der durch Gärung entstandene Alkohol. Er dient als Träger der Information. Sulfur (Seele): Die ätherischen Öle und Duftstoffe. Sie stehen für das Wesen der Pflanze. Sal (Körper): Die mineralischen Salze aus der Asche. Sie erden die Essenz und wirken auf den physischen Körper.
Das Merkur-Prinzip (lateinisch Mercury oder Mercurius) repräsentiert in der Spagyrik und Alchemie das Prinzip des Geistes, der Bewegung und der Vermittlung. Es ist eines der drei philosophischen Grundprinzipien (Tria Principia), die nach Paracelsus in jeder Substanz der Natur existieren.Das Prinzip im ÜberblickBedeutung: Es steht für die Lebenskraft, den Intellekt, den Fluss und die Kommunikation.Träger in der Pflanze: Der pflanzeneigene Alkohol (Ethanol), der durch die Gärung entsteht.Wirkebene: Es spricht im Menschen vor allem das Nervensystem, den Geist und die mentale Ebene an.
Die Rolle des Merkur-Prinzips bei der Herstellung
Bei der Gärung der Heilpflanze wandelt die Hefe den pflanzlichen Zucker in Alkohol um. Dieser Alkohol gilt in der Spagyrik nicht als bloßes Lösungsmittel, sondern als der geistige Träger der Pflanze. Durch die anschließende Destillation wird dieser „Geist“ verflüchtigt und gereinigt. Er hat die Aufgabe, die unstofflichen Informationen und die Heilkraft der Pflanze aufzunehmen und zu bewahren.
Funktion im fertigen spagyrischen Mittel
In der fertigen Essenz übernimmt das Merkur-Prinzip eine Schlüsselrolle: Der Vermittler: Merkur verbindet die flüchtigen, seelischen Kräfte (Sulfur / ätherische Öle) mit den festen, körperlichen Kräften (Sal / Mineralsalze). Ohne Merkur könnten Geist und Körper nicht miteinander kommunizieren. Der Informationsträger: Es transportiert die energetische Botschaft der Heilpflanze direkt in den Organismus. Die Dynamik: Es bringt starre Prozesse im Körper wieder in Fluss und regt die Lebensgeister an.
Das Sulfur-Prinzip (lateinisch für Schwefel) repräsentiert in der Spagyrik und Alchemie das Prinzip der Seele, des Feuers und des Wesenskerns. Neben Merkur (Geist) und Sal (Körper) ist es das zweite der drei philosophischen Grundprinzipien (Tria Principia) nach Paracelsus.
Das Prinzip im Überblick
Bedeutung: Es steht für Individualität, Wärme, Bewusstsein, Transformation und das feurige Lebensprinzip. Träger in der Pflanze: Die ätherischen Öle, pflanzeneigenen Fette, Harze und Farbteilchen. Wirkebene: Es spricht im Menschen vor allem die Gefühlsebene (Psyche), den Stoffwechsel und die Eigenwahrnehmung an.
Die Rolle des Sulfur-Prinzips bei der Herstellung
Bei der Gärung und der anschließenden Destillation der Pflanze trennen sich die flüchtigen Bestandteile vom Feststoff. Die ätherischen Öle und Duftstoffe gehen gemeinsam mit dem Alkohol in das Destillat über. In der Alchemie gilt dieser Teil als das "Öl" der Pflanze. Da Öle brennbar sind, ordnet man sie dem Element Feuer und dem Prinzip Sulfur zu. Es enthält die unverwechselbare Identität, den "Charakter" und den Duft der jeweiligen Heilpflanze. Funktion im fertigen spagyrischen Mittel. In der fertigen Essenz erfüllt das Sulfur-Prinzip wesentliche Aufgaben: Der Wesenskern: Es liefert die spezifische Heilkraft und die individuelle Information der Pflanze. Während der Alkohol (Merkur) universell ist, bestimmt Sulfur, ob die Essenz z. B. wie eine Kamille oder wie eine Melisse wirkt. Der Wärmespender: Es regt die thermischen Prozesse im Körper an. Dazu gehören die Durchblutung, die Verdauung und die Immunabwehr (z. B. die Fähigkeit, Fieber zu entwickeln). Der Seelenöffner: Auf psychischer Ebene hilft es dem Menschen, Blockaden im emotionalen Bereich zu lösen und das eigene Ich zu stärken.
Das Sal-Prinzip (lateinisch für Salz) repräsentiert in der Spagyrik und Alchemie das Prinzip des Körpers, der Materie und der Struktur. Es ist das dritte und abschließende Grundprinzip der Tria Principia nach Paracelsus und bildet das feste Fundament für Merkur (Geist) und Sulfur (Seele).
Das Prinzip im Überblick
Bedeutung: Es steht für Form, Stabilität, Kristallisation, Reinigung und das Prinzip der Erde. Träger in der Pflanze: Die mineralischen Salze, Spurenelemente und anorganischen Verbindungen. Wirkebene: Es spricht im Menschen vor allem die physische Struktur an (Knochen, Gewebe, Organe) und steuert den Mineralhaushalt. Die Rolle des Sal-Prinzips bei der Herstellung Das Sal-Prinzip wird durch das radikalste Verfahren der Spagyrik gewonnen: die Veraschung (Kalzination). Die Verbrennung: Der feste Pflanzenrückstand, der nach Gärung und Destillation übrig bleibt, wird getrocknet und bei über 400 °C verbrannt. Die Reinigung: Durch die Hitze verbrennen alle organischen Bestandteile. Übrig bleibt eine schneeweiße, reine Asche. Die Extraktion: Diese Asche enthält die wasserlöslichen Mineralsalze der Pflanze. Sie verkörpern den gereinigten, von allen Schlacken befreiten „Körper“ der Pflanze.
Funktion im fertigen spagyrischen Mittel
In der fertigen Essenz, der sogenannten „Chymischen Hochzeit“, werden die Salze wieder im Destillat gelöst. Hier erfüllt Sal entscheidende Aufgaben: Der Anker: Sal erdet die flüchtigen Kräfte von Geist (Merkur) und Seele (Sulfur). Ohne das Salz würden die energetischen Informationen der Pflanze verfliegen; Sal gibt ihnen eine physische Form. Der Zellöffner: Die Mineralsalze machen die spagyrische Essenz für die menschlichen Zellen bioverfügbar. Sie wirken wie ein Schlüssel, der die Zellmembran für die Heilimpulse öffnet. Die körperliche Heilung: Auf der physischen Ebene unterstützt Sal die Regeneration von Gewebe, stärkt die Knochen und reguliert den Säure-Basen- sowie den Elektrolythaushalt.
Somit ist die spagyische Therapie eine wahrhaftige Behandlungsform für den Menschen in seiner Gesamtheit.
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